Der etwas andere Text 1


Im Linzer Rathaus schlugen sie mit zwei Klappen nach einer Fliege, aber kräftig.
Die Fliege wandte sich daraufhin ans Umweltamt der GrünInnen, weil sie diese Form der Mehrarbeit im Flug unbedingt in ihrer Pension als Kindergeld
angerechnet haben wollte. Immerhin hatte das Ganze etwas von der Schwere des Gebärens an sich.

In Anbetracht der Lage, dass eine aufmüpfige FraktionsmitgliedIn gleich vier Äpfel vom Kopf des Bürgermeisters von Linz schoss und dabei leider auch ihn selbst traf, erschien der Rathausfliege das Leben im Rathaus plötzlich sinnlos. Sie beschloss, doch nicht auf die Pensionierung zu warten und stürzte sich im Steilflug aus dem Klofenster der Opposition, die im gleichen Haus untergebracht war. Da flog sie nun in der Kulturluft der Kulturhauptstadt 2009.

Die JustizministeranwärterIn im Stadtrat, welche mit einer versteckten Kamera das Rathaustierchen überwachen hatte lassen, erließ sofort einen Haftbefehl gegen die – ihrer Meinung nach – fliehende Fliege. Frau AnwärterIn hegte schon lange den Verdacht, dass sich die Fliege völlig illegal im Rathaus aufgehalten hatte und irgendwie versuchen würde sich der Konsequenzen zu entziehen.

Der Boulevard, umgehend vom Pressesprecher der blassblauen

Gemeindefraktion verständigt, betitelte sie sofort mit „Die Schmeißfliege“, als trüge das irgendetwas zur Aufklärung etwaiger Tatbestände bei. Die Linzer nahmen die zerstreuenden Tatsachen begierig auf – es gab ja sonst nicht viel Aufregendes in der Stadt –, lasen die Worte bis zum Einschlafen, um sich anschließend Träumen von linksrot und rechtsblau hinzugeben.

Nach einigen Zurufen aus der Bevölkerung am nächsten Morgen rückte die Polizei aus, der Täterin habhaft zu werden, nicht ohne vorher in der Konditorei mehrere Eclairs – oder waren es Eklats? – bestellt zu haben, „aber bitte mit Fahne.“ Sie waren eben Patrioten.

„Gib mir den Gummibärknüppel, denn ich will es dem Dingsda zeigen, sich einfach in die Luft zu legen und so zu tun, als gäbe es keine Not“, sagte der eine Amtskappler zum andern. „Haha, du bist nur sauer, weil die Biene keinen Stand auf dich hat“, ätzte der zweite, der das Amtskappel zur amtlich verordneten Amtsblindheit nutzte. (Er war immer noch der Meinung, es handle sich um eine Biene, nicht um eine Fliege.)

Dienstbeflissen mühten sie sich das Tierchen in der Kulturhauptstadtluft einzukreisen. Die Meldung, dass die Fliege am Würstelstand am Hauptplatz gesichtet worden sei, drang bis zu einem der vier Polizistenohren vor.

Eine PrinzIn, die ein paar v-egane V-ürstchen im Stand erwerben wollte, erbarmte sich des verfolgten Flügeltiers, lotste es zu einem Kieselstein neben der Donau, von wo aus es sich in die Höhen der Museumsfenster schwingen sollte, um nicht den Überblick zu verlieren. Summend bedankte sich das Tierchen, schwang sich stattdessen zwischen die Brusthügel der PrinzIn. So gekitzelt begann diese zu kichern, was die Aufmerksamkeit der zwei Polizisten, die eben das Donauufer auf- und abmarschierten, erregte.

„Da!“, schrien sie sich gegenseitig zu. „Da ist die Täterin!“ Sie nahmen die Brust fest, damit sie das Flügeltier nicht wieder verlören.

Im Gefängnis angekommen brüsteten sie sich ob des festgenommenen Brustumfangs. „Wir haben zwei Brüste mit einer Fliege gefangen“, sagte der klügere der beiden Wächter.

Jetzt reichte der Fliege aber die ständige Überarbeitung ohne extra Bezahlung und da sie bereits vom anstehenden Niedergang der Sozialleistungen in der Stadtgemeinde gehört hatte, flog sie mit lautem Brummen auf, flog durch die Gitterstäbe des Kulturhauptstadttowers, gönnte sich noch einen Abschiedsschiss Richtung Justizgebäude, um dann Kurs auf Krumau zu nehmen. Dort, wusste sie, gab es wenigstens gutes Bier.

Seitdem erproben sich die Linzer Rathäusler im Fliegenfischen und seitdem landen Fliegen bei uns erst, nachdem sie sich in Krumau biergestärkt haben. Der Fliegenfrieden ist damit – für ein Weilchen zumindest– in den Linzer
Parteiflügeln gesichert.